Kinderbuch von Ines GölßDie geheimnisvollen Zeichen

Ein Zauberer versucht, das Geheimnis der magischen Zeichen zu erkunden.

Ein Zauberer versucht, das Geheimnis der magischen Zeichen zu erkunden.

Emma und Erik lernen bei der Frau im Wald viel über die moderne Homöopathie.

Foto: Claudia Diana Gerlach

Sonderbare neue Wesen und Zeichen entdeckt das Mädchen Emma bei einem spontanen, einsamen Ausflug in den Wald: etwa einen pechschwarzen Raben, der ein zwischen den Bäumen verstecktes Häuschen unermüdlich anstarrt, sowie ein kleines Wichtelmännchen, das aus einem Versteck heraus eben diesen Vogel mit Argusaugen beobachtet. In dem außergewöhnlichen Kinderbuch „Die geheimnisvollen Zeichen“ der österreichischen Kinderbuchautorin Ines Gölß tastet sich die kleine Romanfigur Emma beherzt an die unbekannten, neuen Dinge in ihrem Leben heran. Doch nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint…

 

Emma ist von diesem Tag bisher alles andere als begeistert: Ihr bester Freund Erik ist erkrankt und fehlt ihr in der Schule zum Quatschen und Spielen, die Mutter hat Spätschicht und daher überhaupt keine Zeit für ihre kleine Tochter. Da das Mädchen Angst hat, wenn es allein in der Wohnung sein muss, macht es stattdessen lieber einen Waldspaziergang. Dort begegnet es einer rothaarigen Frau, die freundlich grüßt. Kurz darauf traut Emma ihren Augen nicht, als sie ein kleines Wichtel-Männchen entdeckt, das sich hinter Sträuchern zu verstecken versucht.

Ist die unbekannte Frau im Wald eine Hexe?

Das Mädchen flüchtet sich zu seinem Freund Erik, der bis dato gelangweilt und matt im Bett herumlag und nun entzückt dem abenteuerlichen Bericht seiner Freundin lauscht. Erik vermutet, dass die unbekannte Frau mit den roten Haaren eine Hexe sein könnte. Beide Kinder beschließen, sich bei dem geheimnisvollen Haus im Wald einmal genauer umzusehen.

Der Reiz des Abenteuers mobilisiert den kranken Erik und tags darauf machen sich die beiden Kinder vorsichtig auf den Weg zu dem vermeintlichen Hexenhäuschen. Doch die Zwei sind nicht vorsichtig genug, denn plötzlich steht die unbekannte Frau hinter ihnen - nicht sonderlich begeistert über dieses Herumschnüffeln auf ihrem Grundstück! Doch Emma findet sofort die richtigen Worte und erzählt, dass sie das kleine Wichtelmännchen so gern kennenlernen würde.

Ein dichtendes Wichtelmännchen

Daraufhin stellt sich die Dame als Eufrasia Augentrost vor, und die Kinder erhalten eine Einladung in ihr Haus. Jetzt traut sich auch Wichtel Winz aus seinem Versteck und nimmt mit den Kindern Kontakt auf. Die Frage der Kinder, ob sie eine Hexe sei, verneint Eufrasia schmunzelnd. Doch Emma und Erik sind nicht so ganz überzeugt, denn auf der Stirn ihrer neuen Bekannten prangt ein sonderbares Zeichen. So etwas haben Emma und Erik noch nie gesehen. Eufrasia erklärt den Kindern mithilfe des eifrig dichtenden Winz', dass es sich bei diesem Symbol um ein Zeichen aus der modernen Homöopathie handelt, einer Form der alternativen Medizin. Eufrasia will damit ihre Kopfschmerzen heilen.

Ein böser Zauberer enttarnt sich

Die Kinder finden dieses geheimnisvolle Zeichen hochinteressant und lassen sich alles genau erklären. Frau Augentrost zeigt den Kindern geduldig verschiedene Symbole und Emma malt sich alle eifrig auf einen Zettel. Doch als die Kinder sich auf den Rückweg machen, werden sie von einem Unbekannten gestoppt, der Emmas Zettel an sich bringen will. Als der Fremde sich plötzlich in einen Raben verwandelt, merken die Kinder, dass sie es mit einem feindlichen Zauberer zu tun haben, der es auf die magischen Zeichen abgesehen hat.

Emma und Erik versuchen, das geheime Wissen von Eufrasia Augentrost vor diesem Magier zu schützen, doch bei einem Schulausflug in den dunkelsten Teil des Waldes kommen die Kinder dem Wohnort des Zauberers gefährlich nahe…

Plädoyer für Offenheit

Ines Gölß gibt den Kindern dieser Welt mit ihrer Geschichte einen spielerischen Einblick in alternative Heilmethoden, indem sie sie gemeinsam mit den beiden Schulkindern unvoreingenommen erkunden lässt. Das Kinderbuch vermittelt geschickt auf allen Erzählebenen, das vieles oft das Gegenteil von dem ist, was es auf den ersten Blick zu sein scheint und es ist zugleich– wie viele andere Kinderbücher der Autorin – ein warmherziges Plädoyer für Offenheit und für den Mut zum eigenen Fühlen, Erleben und Denken.

Fazit: Ein weiteres weises Buch der großen Autorin aus Österreich, die geschickt Spannung, Magie und Wissen verknüpft und durch ihren klaren Erzählstil Kinder direkt anspricht. Durch die der Geschichte zugrundeliegende geheimnisvolle Atmosphäre, die Ines Gölß geschickt stetig ausbaut, lesen Kinder ab 8 Jahren alles nur zu gerne in einem Rutsch durch. 😊

Die Autorin

Die in der Oberpfalz geborene Autorin Ines Gölß hat die Geschichte nicht nur geschrieben, sondern auch selbst ganz zauberhaft illustriert. Denn wer weiß schon besser, wie die Figuren aussehen sollen als die Schriftstellerin selbst. Ines Gölß lebt mit ihrem Mann, fünf Kindern, einem Hund und fünf Hühnern in Österreich. „Jeder ist richtig so wie er ist“ ist der Grundgedanke all ihrer Kinderbücher.

Ines Gölß, Die geheimnisvollen Zeichen, erschienen 2019 bei BoD (Books on Demand), empfohlen für Kinder von 8 bis 12 Jahren, 88 Seiten, 9,80 Euro (Taschenbuch)

 

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